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Konzert



Erik Satie
"Sports & Divertissements - Ein Album für Klavier" (1914)
präsentiert mit Projektionen und 21 Filmsequenzen
Alan Newcombe (Klavier), Milo Lohse (Sprecher), Falko Riester (Filme und Installationen)
"Socrate - Drame symphonique avec Voix" (1919)
Alan Newcombe (Klavier); Viktoria Mun, Alina Leonova, Theresa Schram, Alina Semjonova (Gesang); Holger Lampson (Musikalische Leitung); Eric Miot (Choreographie); Friedwart Krüger (Bühnenausstattung); Johanna Baumann (Französisch-Coaching); Jörg Andrees (Regie)
Kooperationsprojekt von ALFRED SCHNITTKE AKADEMIE INTERNATIONAL und FORUM NEUE MUSIK in der Christianskirche Hamburg
Bemerkungen zu "Socrate":
"Socrate" von Erik Satie ("Drame symphonique", entstanden 1918) ist ein musikalisches Portrait des Sokrates in drei Bildern. Der Text verwendet Auszüge aus drei Platonischen Dialogen in französischer Übersetzung von Victor Cousin. Höhepunkt des Ganzen ist der Tod des Socrates aus Platons "Phaedros".
Sokrates und seine Dialogpartner, allesamt Männer, werden in Saties Komposition repräsentiert durch Frauenstimmen. Platons Text soll rein und klar hörbar werden.
Unsere Aufführung bringt das Werk erstmalig in einer Vereinigung von Gesang und Tanz. Die Gesangsstimme ist nur eine grosse melodische Linie. Es gibt keine Zuordnung der Stimmen im Sinne von Rollen, keine Dramatik. Die Gestalten sind weiß kostümiert. Wir haben die Melodie frei auf die Stimmen verteilt, mal solistisch, mal chorisch, mal in Duo- oder Trioformation. Die Einsätze und Wechsel der Stimmen sind nicht festgelegt, sondern erfolgen nach einem "geheimen" Verabredungsmodus. Dadurch entsteht eine flächige, stark verinnerlichte einstimmige Musik, die durch das Klavier und durch die Tanzbewegung atmosphärisch angereichert wird.
„Socrate“ gehört zu den Schlüsselwerken Zeitgenössischer Musik. Seine Bedeutung wurde erstmalig von John Cage umfassend gewürdigt. Saties künstlerische Haltung zeugt von einem autonomen Geist, dem es um schonungslose künstlerische und menschliche Selbstbestimmung ging. Er drückte dies in seiner Kunst und seiner Lebensform mit kristalliner Klarheit, scharfem Witz und genialer Kreativität aus.
Sokrates hat als erster die Quellen des Denkens, Tuns und Verantwortens im menschlichen Ich gefunden. Er wirkte und starb für ein Handeln aus individueller Erkenntnis.
Bemerkungen zu "Sports & Divertissements":
Erik Satie komponierte die 21 Klavierstücke nach Grafiken des Modezeichners Charles Martin. Er verband die Grafiken mit seiner eigenen kalligraphisch gestalteten Klavierpartitur und kleinen selbst verfassten Texten zu einem "Gesamtkunstwerk" und betrat damit Neuland. Wir haben Martins Zeichnungen durch filmische Miniaturen ersetzt, die die Musik manchmal atmosphärisch unterstützen, dann wieder ironisch auf Distanz gehen - ähnlich wie sich Saties Klavierstücke (mit ihren musikalischen Zitaten) oder seine Texte zu den Zeichnungen Martins verhalten. Saties kalligraphische Partitur wird projiziert, die Texte werden gesprochen. Damit wird die Multimedialität, die Satie im Sinn hatte, erfahrbar. Da "Sports & Divertissements" nur aus Saties kindlich-anarchischem Spieltrieb zu verstehen ist, wird das Ganze präsentiert wie ein großes Spielzeug, in das der Pianist integriert ist. Satie schreibt 1914 in seinem Vorwort: "Ich empfehle dieses Buch mit einem freundlichen und lächelnden Finger zu durchblättern, denn es handelt sich um ein Werk der Fantasie. Man sollte nichts anderes darin sehen." Angesichts des nur 2 Monate später beginnenden Kriegsgemetzels erscheint uns dieses Werk eher wie ein ironischer Abgesang auf die "Belle Epoque" mit ihren andauernden Vergnügungen und ihrem militaristischen Gehabe.
Die Künstler:
Alan Newcombe, geb. 1957 in St. Helens (England). Erster Klavierunterricht im Alter von 5 Jahren. Musikschulabschluss mit besonderer Auszeichnung. 1973 Klavierdiplom des Trinity College of Music, London. Anschließend Studien in Russisch und Französisch an der Oxford University. Seit 1985 Pianist des Hildesheimer Klaviertrios. Konzerttätigkeit in vielen Ländern innerhalb und außerhalb Europas.
Vika Mun, 1986 geboren in Sankt Petersburg. 2002 erster Preis im Wettbewerb für jugentliche klassische Sänger (Kansas, USA). 2003 Titelrolle des Musicals "Cinderella" (Rogers and Hammerstein) in der Produktion des Abilene Jugendtheaters (Kansas, USA). 2006 begann Vika Mun ihr Gesangstudium und Gesangspädagogisches Studium an der Alfred Schnittke Akademie in Hamburg in der Klasse von Holger Lampson. Sie nahm u. a. an Meisterkursen bei Karola Theil, Elena Prokina, Anthony Roden und Agnes Giebel teil. Als Mitglied der Improvisationsgruppe "Farbraum" trat sie u. a. im Rahmen der Theaternacht Dortmund auf. Als improvisierende Sängerin und Darstellerin war sie im free-jazz Trio mit Björn Lücker (Schlagzeug) und John Hughes (Kontrabass) zu hören. Im Rahmen des Hamburger Jazzfestivals 2010 tratt sie im "Kampnagel" mit "Healthy Poison" auf. Vika sang Hauptpartien in Performances für die Altonale 2009, für das Interkulturelle Festival eigenarten, und in der Improvisations-Oper "Frequenza" im Monsun-Theater. Ihre besondere Interesse gilt der zeitgenössischen Musik.
Moskauer Zeitschrift "Kultura" über Vikas Liederabend: "Die glänzende Begabung der jungen Künstlerin, ihre geistige und musikalische Reife haben einen starken Eindruck hervorgerufen (...) eindringlich und psychologisch feinfühlend brachte sie (die Lieder -VM) zum Ausdruck. (...) Merken Sie sich diesen Namen!..".
Alina Leonova, geboren 1988 in St. Petersburg, erlebte eine in künstlerischer Hinsicht wunderbar kreative Schulzeit und erhielt an der Musikschule eine gründliche musikalische und pianistische Ausbildung. Seit 2006 studiert sie Gesang an der Alfred Schnittke Akademie International in Hamburg in der Klasse von Holger Lampson, dessen Gesangsunterricht sie schon seit der 7. Klasse in St. Petersburg und Moskau genossen habt. Als Sängerin und Pianistin trat sie schon früh erfolgreich auf Festivals und Wettbewerben auf. Im Juni und November 2009 sang sie Hauptrollen in den Musiktheaterproduktionen der Alfred Schnittke Akademie „Saltonate“, „Stadtklang5“ und „Frequenza“. Sie nahm u. a. an Meisterkursen bei Elena Prokina, Anthony Roden teil. Ihre erste eigene Konzertreise führte sie 2009 nach Norwegen. Zur Zeit tritt sie in Hamburger Kirchen als Oratorienalt in Erscheinung und bereitet sich auf eine Konzertrreise vor.
Theresa Schram ist 1985 in Berlin geboren. Sie erhielt schon früh Unterricht auf Geige und Cello. Im Jahre 2002 führte sie in Reutlingen mit Kindern aus verschiedenen Grund- und Sonderschulen das Theaterprojekt „Olaf und der Riese“ durch. 2005 lebte sie für ein Jahr in der Associação Comunitária Monte Azul in einer Favela in Sao Paulo (Brasilien). Dort machte sie in der Arbeit mit Kindern, sowie Drogenabhängigen und psychisch kranken Menschen erste prägende Erfahrungen mit musikalischer Improvisation. Sie studiert seit 2006 Islam- und Musikwissenschaften an der Universität Hamburg und seit Oktober 2008 an der Alfred Schnittke Akademie in der Gesangsklasse von Holger Lampson. Ihre Performance „Beim Anblick der Kirschblüten“, in der sie ihre wichtigsten Anliege - Theater, Improvisation, arabische Sprache und Poesie, sowie europäischen Kunstgesang zusammenführt, ist zurzeit in den Hamburger Kammerspielen zu sehen.
Alina Semenova ist in Megion/Sibieren geboren und hat dort ihren Abschluss an einer Musikschule gemacht.
Seit 2006 studiert sie in Sankt Petersburg an der Staatlichen Universität Musikpädagogik und parallel dazu seit 2008 an der Alfred Schnittke Akademie in der Klasse von Holger Lampson Gesang.
Geboren 1951 in Berlin, studierte Jörg Andrees Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg. Regieassistenzen im DEFA-Spielfilmstudio und eigene Dokumentar- und Kurzfilme schlossen sich an.
Entscheidende Impulse für seinen künstlerischen Werdegang bekam er in seiner Ausbildung zum Schauspieler am Michael Tschechow Studio New York.
Er ist Mitbegründer des Michael Tschechow Studios Berlin und Leiter des berufsbegleitenden Schauspielseminars.
Er entfaltet eine intensive Workshop-, Vortrags- und Unterrichtstätigkeit u. a. in USA, Irland, England, Schweiz, Österreich, Tschechien, Rumänien, Russland und Japan. Neben seinen eigenen künstlerischen Produktionen arbeitet er als Schauspiellehrer, auch im unternehmerischen, pädagogischen und therapeutischen Bereich.
In den letzten Jahren kamen Lehraufträge u.a. an der Universität Cardiff (England), an der Hochschule für Musik und Theater Rostock und am Salzburger Musikschulwerk dazu. Seit 1998 unterrichtet er regelmäßig am Musikseminar Hamburg als Dozent für Schauspiel.
Eric Miot wurde in Frankreich geboren und absolvierte seine Tanzausbildung an der École du Ballets de Paris. 1981 wurde er vom Ballet de l’Opéra national du Rhin Strasbourg engagiert und tanzte dort in Choreographien von Georges Balanchine, Maurice Béjart, Germinal Cassado, Roland Petit und Jean Sarréli. 1983 wurde er von John Neumeier an das Ballett der Hamburgischen Staatsoper verpflichtet, wo er 1987 zum Solisten ernannt wurde und außer in zahlreichen Arbeiten von John Neumeier auch in Balletten von Maurice Béjart, Rudi van Danzig, Mats Ek, José Limon und Antony Tudor zu sehen war. Seit 1995 ist Eric Miot als freischaffender Tänzer, Lehrer und Berater tätig und arbeitete u.a. für die Compagnien in Greifswald, Lüneburg, Kiel, Oldenburg, Hannover, Mailand, Montréal sowie als choreographischer Berater für Regisseure wie Ruth Berghaus und Willy Decker.
Friedwart Krüger, Jahrgang 1954, arbeitete als Klassenlehrer und Fachlehrer für Musik, Eurythmie, Sport und Religion an Waldorfschulen und in der Sozialpädagogik. Zur Zeit ist er als Bühnenbildner an der Alfred Schnittke Akademie tätig.